Tricks der Branche 3: Angebote ohne Vollwartung
Michael Noack am 26.03.2007 22:02 Uhr
In losen Folge beleuchten wir die unterschiedlichsten Tricks und geben Handlungsempfehlungen.
Heute: Angebote ohne Vollwartung
Sie bekommen ein Kauf oder Leasingangebot für einen Multifunktionskopierer, aber kein Wartungsangebot dazu. Auf Nachfrage wird Ihnen erklärt, dass sich das ja gar nicht lohnen würde und im übrigen unsinnig teuer ist. Außerdem haben Sie doch die Gewährleistung, da fallen erstmal sowieso keine Kosten an.
Was ist davon zu halten ?
Nichts. Es ist der Versuch, auf die niedrigen Instinkte (Angst vor teuer) anzusprechen und den Wettbwerb zu verschleiern,
Zuerst einmal: Beim Betrieb von Druck- und Kopiergeräten fallen Folgekosten an. Da sind einerseits die Verbrauchsmaterialien (wie Toner, Trommeln, Resttonerbehälter, Fixierung, diverse Übertragungs-, Transport- und Reinigungseinheiten) und andererseits die Dienstleistung Reparatur mit Anfahrt, Ersatzteilen und Arbeitszeit. Ein aktuelles Multifunktionsgerät mit Farboption wird ca. alle 10-30 Tsd. Drucke und Kopien einen Techniker sehen müssen.
Nun kann man sagen: Ja, es gibt Kosten. Und ich vergleiche am Markt die Kosten z.B. bezogen auf die gedruckte Seiten, um das optimale Angebot für mich zu finden.
Oder ich verhalten mich wie ein Kind, verschließe die Augen und hoffe, wenn ich die Kosten nicht sehe, gibt es sie auch nicht. Dies ist in etwa das Muster, das im oben genannten Fall angesprochen wird.
Interssant ist, dass nach unserer Erfahrung in Gegenden mit schwachem Wettbewerb signifikant weniger Wartungsverträge angeboten werden.
Empfehlung
Lassen Sie sich bei Multifunktionskopierern nicht auf ein Angebot ohne Vollwartung ein. Die Dinge sind zu komplex, als dass Sie herausfinden könnten, welche Folgekosten auf Sie zukommen. Sie laden sonst Ihren Lieferanten ein, Sie schamlos auszunehmen. Nur im 1:1 Vergleich der Folgekosten (z.B. auf die Seite A4 heruntergerechnet) werden Sie erfahren, wo Sie mit Ihrer Entscheidung stehen.
Lassen Sie sich auch nicht auf Einschränkungen ein wie: "Die Flächendeckung ist begrenzt auf 30% Farbanteil" oder "Farbtoner ist nicht enthalten" oder "außer elektronischen Bauteilen". Das alles ist nicht akzeptabel.
Noch ein Wort zur Gewährleistung (keine Rechtsberatung!):
Im Markt üblich ist die gesetzliche Gewährleistung, die sich auf den Zeitpunkt der Übergabe bezieht. Bei Schäden im ersten halben Jahr wird regelmäßig angenommen, dass der Mangel schon bei Übergabe vorgelegen hat. Ab dann tritt Beweisumkehr ein, d.h. Sie müssen das o.g. beweisen. Die Frist zur Anmeldung der Ansprüche beträgt im gewerblichen Bereich meist 1 Jahr. Bei Druckern und Kopierern ist oft ein Streitpunkt, was nun normaler Verschleiß und Abnutzung und was ein Mangel (Zeitpunkt der Übergabe!) ist. Man kann sich also nicht darauf verlassen, in der Gewährleistungszeit keine Kosten zu haben ! Möglicherweise müssen Sie auch eine Erstinstandsetzung bezahlen, ehe der Wartungsvertrag danach angenommen wird.
Also: Besser vom ersten Tag an einen Vollwartungsvertrag abschließen. Das spart Ärger, Zeit und am Ende auch Geld.
Bisher erschienen in dieser Rubrik:
Teil 1: Leasingangebote mit Kündigungsoption
Teil 2: Klicks für Scans
Weitere Artikel zu den Themen:
Artikel mit ähnlichen Themen: Tricks der Branche 6: Neuer Trick , Tricks der Branche 5: Einschränkungen um Wartungsvertrag , Tricks der Branche 4: Von Äpfeln und Birnen
Kommentar hinterlassen



